Der Traum vom eigenen Weingut

Immer mehr Mallorca Fans reicht der Blick aufs Meer nicht mehr, sie wollen in die „Landwirtschaft“ einsteigen.

Von Stefanie Claudia Müller

Klaus Heinemann ist ein erfolgreicher Unternehmer, Berater und Mitglied von zahlreichen Aufsichtsräten in Deutschland. Mallorca ist für ihn der Ruhepunkt zwischen seinen vielen Meetings und Reisen. Der Wahl-Spanier mit Firmensitz auf der Insel repräsentiert einen neuen Trend.

Wahl-Mallorquiner Klaus Heinemann verwirklichte sich auf der Insel seinen Traum, ein eigenes Weingut zu betreiben. Bild: Stefanie Müller

Den Wunsch, nicht nur am Strand zu liegen, sondern wirklich mit dem dortigen Alltag und den Einheimischen zu verschmelzen. Gestresste Manager wie er wollen sich auf Mallorca ein echtes Zuhause schaffen.

„Wer einmal ein paar Jahre am Strand gelebt hat, den zieht es nicht selten ins Landesinnere, weil er sich nach mehr Ruhe und weniger Tourismusrummel sehnt, aber gleichtzeitig auch was Eigenes aufbauen will auf der Insel“,

erklärt Thorsten Kaiser, Verkaufsleiter von Porta Mallorquina, diesen neuen Trend.

Das Leben auf dem Land muss gelernt sein

Was bietet sich da besser an als die Landwirtschaft. Allerdings ist das Leben auf den mallorquinischen Dörfern oder auf einer Finca überhaupt nicht zu vergleichen mit der Strandwohnung in El Arenal oder Andratx, wo fast nur Ausländer wohnen und wo das Meer immer präsent ist. Der gelegentliche Besucher der Insel sucht genau diese Situation, weil er abschalten will und er sich privilegiert fühlt, aus dem grauen Deutschland ins sonnige Urlaubsleben zu flüchten.

Nach einer Studie von Porta Mallorquina sind deswegen Immobilien in erster Meereslinie zum Beispiel im Süden um 57% teurer als solche, wo der Blick auf ein anderes Haus führt oder das Hinterland.

Rund 15% Preisaufschlag sind für den begehrten Blick aufs Mittelmeer fällig, liegt die Immobilie in der ersten Linie, ist sie im Schnitt rund ein Drittel teurer

Heinemann, der perfekt Spanisch spricht, gehört nicht zu den Deutschen, die dieses Gefühl suchen. Er hat sich 2011 eine sechs Hektar groβe Finca bei Montuïri gekauft, wo er inzwischen erfolgreich Chardonnay anbaut.

Das Weingut von Klaus Heinemann bei Montuiri. Bild: Stefanie Müller.

Sein neues Zuhause ist eingebettet zwischen mallorqunischen Olivenöl- und Weinproduzenten, mit denen er „gemeinsame“ Sache macht, sieernten und keltern die Oliven und den Wein zusammen:

„Mir war klar, dass das Ganze rentabel sein muss, deswegen geht es gar nicht anders als es in der Kooperative mit anderen zu machen und sich vor der Entscheidung auch sehr gut beraten zu lassen. So teilen wir die kosten und ich kann zudem auf ihre Erfahrung vertrauen. Ich bin schlieβlich ein Neuling in dem Business“.

Weinanbau als Joint Venture mit Einheimischen

Während die Weinwirtschaft auf der Insel Ende des 19.Jahrhunderts wegen der Reblausplage und in den 60er Jahren aus wirtschaftlichen Gründen einen Niedergang erlebte, boomt das Business heute wie nie zuvor, vor allem dank deutscher Investitionen. Das Geschäft wieder anzukurbeln, dabei halfen auch die vielen kaufkräftigen Weinkenner unter den Touristen, sagt Winzer Andreu Olivier vom Gut Can Majoral:

„Wir verkaufen 75% unserer Produktion direkt auf der Insel“.

Und das obwohl mallorquinischer Wein im Vergleich zu anderen spanischen Weinen teuer ist. Aber die 14 Millionen Touristen pro Jahr greifen immer öfter zum lokalen Wein, obwohl die Flasche meist zwischen 10 und 30 Euro im Direktverkauf kostet, von den Restaurantpreisen ganz zu schweigen.

Die Sehnsucht mit der Insel zu verschmelzen, hat auch andere landwirtschaftliche Zweige auf Mallorca wieder aufblühen lassen:

„Deswegen boomen zum Beispiel die Agro-Märkte“,

glaubt Heinemann. Die vor ein paar Jahrzehnten wegen fehlendem Geschäft fast toten Kooperativen erleben mit dem Wunsch der Touristen nach Bioprodukten einen neuen Aufschwung, was auch hilft Jobs auf der Insel zu kreieren, fernab von der saisonabhängigen Ferienwirtschaft.

Auch beim Weinbau vertrauen die meisten Ausländer wie Heinemann auf Einheimische, um ihren Wein zu kultivieren. Seine Finca zählt zum Beispiel nicht nur auf die Erfahrung seiner Nachbarn, sondern auf die des Winzers Carlos Feliu, der aus einer der traditionsreichsten Familien des mallorquinischen Reben-Geschäfts kommt. Er half Heinemann auch das sehr schwierig zu erlangende Demeter-Zertifikat für Biowein zu erwerben. Nach der Ernte keltert er für den Deutschen den Wein und füllt ihn ab:

„Im vergangenen Jahr haben wir ungefähr 1600 Flaschen an Restaurants, Hotels und Yachten verkauft. Dieses Jahr solles es 3000 Flaschen werden“,

erzählt Heinemann stolz.

Geld verdienen mit Agrartourismus

Aber nicht nur die Bodega auch der Traum vom eigenen Hotel treibt viele Ausländer, die auf Mallorca leben, um. Manchmal verknüpfen sie auch beides. Hier sind neben den Branchen-Kenntnissen und dem notwenigen Kleingeld die guten Beziehungen zu den lokalen Behörden wichtig.

Der Standort der Finca ist das A und O bei solchen Investitionen, die nachher als touristisches Gewerbe genutzt werden sollen. Total einsame Lagen sind nicht zu empfehlen. Beratung ist hier oberstes Gebot, denn die neue Balearenregierung ist sehr restriktiv mit der Vergaben von Lizenzen für Pensionen und Ferienvermietung.

„Es ist auch zu empfehlen, sich genau zu informieren, ob die Immobilie alle gültigen Papiere und Genehmigungen hat, die Um- oder Anbauten erlauben“,

warnt Matthias Meindel, der selber ein Dorfhaus bei Inca gekauft hat und nun überlegt, eine kleine Pension im Landesinneren zu eröffnen. Denn hier läβt sich dieser Traum für Mittelständler wie ihn noch verwirklichen. Die Quadratmeterpreise betragen mit durschnittlich 3000 Euro pro Quadratmeter die Hälfte, was in Palma und Umland verlangt wird, gemäβ des neusten Preisspiegels von Porta Mallorquina.

Zum Verkauf steht bei Porta Mallorquina derzeit unter anderem ein Landhotel im Herzen von dem touristisch interessanten Städtchen Alaró, nicht weit weg vom Sitz der wohl bekanntesten mallorquinischen Kellerei José Ferrer in Binissalem. Die Finca im Tramuntana-Gebirge gelegen verfügt über acht Doppel-Zimmer, ein Restaurant, mehrere Speiseräume und einen Pool. Das Ende 1790 erbaute Haus erlaubt den Blick auf Alaró und die Berge. Was Urlauber hier vor allem schätzen, ist neben der Natur die Ruhe. Eine große Industrieküche, ein Keller, verschiedene Lagerräume und ein privater Parkplatz erlauben ein relativ professionelles Angebot an die Gäste.

Mit dem „Porta Holiday Renditerechner“ können potenzielle Einnahmen aus Ferienvermietung berechnet werden.

Weinanbau ist nichts für Anfänger

Die Kooperation mit den Einheimischen ist unverzichtbar. Auch der deutsche Naturheilkundler Michael Popp hat vor fast 20 Jahren auf den Rat der Mallorquiner vertraut, als er sich entschied, eine Hühnerfarm in ein Weingut umzubauen. Inzwischen ist sein Wein „Stairway to heaven“ einer der am meist verkauftesten auf der Insel.

Aber der Weg dorthin war steinig, auch weil der Inhaber von Bionorica selber keine Zeit hat, sich 100% um das Gut zu kümmern. Das macht der Oenologe Gaspar Amengual mit einem 20köpfigen Team für ihn. Er garantiert die Qualität der 180.000 Flaschen die das Castell Miguel jedes Jahr auf den Markt bringt. Der Italiener Michele Baldassarre ist der neue Verantwortliche des Restaurants, das aber nur mittags geöffnet ist.Im Dezember wird auf dem Anwesen zudem Geld mit einem eindrucksvollen Weihnachtsmarkt verdient.

Wer sich im Weinanbau versuchen will, kann das auf einem zum Verkauf stehenden Anwesen in Artà versuchen. Hier besteht bereits eine Weinproduktion, die aber derzeit nicht auf mehr als 1000 Flaschen im Jahr kommt und bisher nicht besonders gute Qualität aufweist. Die Produktion kann bis auf 5000 Flaschen ausgebaut werden, was eine sehr kleine Weinwirtschaft ist. Aber aller Anfang ist schwer und es kann ein gutes Sprungbrett zu einer richtigen Bodega sein wie sie Michael Popp führt.

Das traumhafte Anwesen in Artà verfügt auch über einen eigenen Weinberg.

Aber Jaime Sancho, Vertriebsexperte in Sachen Wein, warnt vor zu hohen Investionen:

„Der Weinanbau auf Mallorca ist aufgrund der klimatischen Verhältnisse nicht einfach, die Infrastruktur ist nicht ideal und bisher ist der Wein im Export ein Nischenprodukt, da das Qualitäts-Preis-Verhältnis nicht besonders gut ist“.

Crowdfunding über Rebstock-Patenschaften

Deswegen muss ein solches Abenteuer auch gut durchdacht sein, denn für den Weinanbau ist ein langer Atem notwendig. Alexandra und Sören Grahe sind keine Millionäre wie Michael Popp. Sie ist Personalerin und er Controller. Das kinderlose Ehepaar hat ihren Traum vom Winzerleben in Raten erfüllt und auch nur Hand in Hand mit einem erfahrenen Unternehmen.

Vor sechs Jahren kauften sie zuerst ein Stadthaus in Sineu und dann vor zwei Jahren das dortige Weinfeld für 80.000 Euro. Das Risiko hat der Finanzexperte Sören Grahe genau durch gerechnet. Sie finanzieren es im Moment mit Eigenkapital und Patenschaften für die Rebstöcke, es wurden keine Kredite aufgenommen.

Crowdfunding für Rebstöcke. Das Ehepaar Grahe finanzierte mit Patenschaften ihren Weinanbau. Bild: Alexandra und Sören Grahe

Die Paten bezahlen zwischen 50 oder 1420 Euro jährlich und haben dann das Recht auf eine bestimmte Anzahl von Weinflaschen, die ihnen dann per Post zugeschickt werden. Es sind auch einmalige Beträge für eine 3 bis 10 Jahre langen Patenschaft möglich. Den ersten Wein gibt es allerdings erst 2022, trotzdem hat das sympathische Paar aus Hamburg schon 63 Menschen von ihrer Idee überzeugt.

Neben den Wein wird mit den Patenschaften auch die Atmosphäre verkauft. Auf dem Weinfeld gibt es ein kleines Häuschen, wo die Grahes zu Tapas einladen, jeder kann seine Rebe mit Namensschild bewundern, wenn er will.

Das Ehepaar Grahe finanziert ihren Traum vom Winzerdasein auf Mallorca mit innovativen Ideen. Bild: Alexandra und Sören Grahe

Auch die individuelle Gestaltung des „gepachteten“ Feldabschnitts ist möglich sowie eine eigene Etikettierung der Flaschen.

„Sollte es nicht funktionieren, dann können wir immer noch das Land verkaufen“, sagt Alexandra Grahe.

Aber wenn der Rubel ab 2022 rollt, dann wollen die beiden das kleine Häuschen samt Ofen aufrüsten, Toiletten einbauen und somit einen angemessen Standort für Events auf ihrem Weinfeld schaffen. Die 48jährige strahlt:

„Es ist ein einmalige Erfahrung und hat sich jetzt schon gelohnt, egal was dabei an Gewinn rauskommt“.

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